Das Wichtigste auf einen Blick
🛡️ Sehr wirksamer HIV-Schutz
Richtig angewendet schützt die PrEP sehr zuverlässig vor einer HIV-Infektion.
💊 Flexibel einnehmbar
Die PrEP kann dauerhaft oder gezielt rund um mögliche HIV-Risiken genommen werden.
🧪 Regelmäßige Checks
HIV-Tests, Nierenkontrollen und Untersuchungen auf andere Geschlechtskrankheiten gehören zur PrEP dazu.
👩⚕️ Medizinisch begleitet
Die PrEP wird von geschulten Ärzt*innen verschrieben und medizinisch begleitet.
Was ist HIV-PrEP?
Die HIV-PrEP ist eine Methode zum Schutz vor HIV. Dabei nimmst du ein HIV-Medikament vor, während und nach möglichen HIV-Risiken ein. Richtig angewendet schützt die PrEP genauso gut wie Kondome oder Schutz durch Therapie.
Die PrEP kannst du täglich oder rund um mögliche Risiken einnehmen. Vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen schützt sie nicht.
So wirkt die HIV-PrEP
Die PrEP nutzt Wirkstoffe, die auch bei der HIV-Behandlung eingesetzt werden. In Deutschland sind das Tenofovir und Emtricitabin. Sie werden über den Magen aufgenommen und gelangen über das Blut in die Zellen des Körpers.
Kommt HIV in den Körper, blockieren die Wirkstoffe dort die Vermehrung des Virus. Damit der Schutz funktioniert, muss ausreichend Wirkstoff im Körper vorhanden sein.
Deshalb ist es wichtig, die PrEP auch nach einem möglichen HIV-Risiko weiter einzunehmen. Wird sie abgesetzt, nimmt die Wirkstoffmenge im Körper ab. Damit verschwindet auch die Schutzwirkung.
In extrem seltenen Fällen können übertragene HI-Viren bereits gegen die PrEP-Medikamente resistent sein. Dann ist eine HIV-Infektion trotz korrekter Einnahme möglich. Weltweit sind bisher nur sehr wenige solcher Fälle bekannt.
HIV-PrEP bekommen
Wenn du gesetzlich versichert bist und ein erhöhtes HIV-Risiko hast, übernimmt die Krankenkasse die Kosten für PrEP-Medikamente und die notwendigen Begleituntersuchungen. Private Krankenversicherungen haben eigene Regelungen.
Am Anfang steht ein Gespräch mit geschulten Ärzt*innen. Dabei wird geklärt, ob die PrEP für dich infrage kommt und welche Untersuchungen notwendig sind.
Sind alle Voraussetzungen erfüllt, kann dir die PrEP auf Kassenrezept verschrieben werden. Das Rezept gilt für drei Monate. Bei den regelmäßigen Checks kann anschließend jeweils ein neues Rezept ausgestellt werden.
Eine Verschreibung auf Privatrezept ist ebenfalls möglich. In diesem Fall musst du die Medikamente und Untersuchungen selbst bezahlen.
PrEP-Praxen gibt es in allen Bundesländern. Passende Ärzt*innen kannst du unter anderem über die Suche des Bundesministeriums für Gesundheit sowie über Angebotslisten von dagnä oder prep.jetzt finden.
HIV-PrEP richtig einnehmen
Bei der HIV-PrEP nimmst du täglich eine Tablette. Das kann über einen längeren Zeitraum als Dauer-PrEP oder gezielt rund um mögliche HIV-Risiken als Kurz-PrEP erfolgen. Die Deutsche Aidshilfe empfiehlt dafür ein einheitliches Einnahmeschema. Es gilt unabhängig von geschlechtlicher Identität und sexueller Orientierung.
- PrEP starten: Nimm zwei Tabletten auf einmal. Die Doppeldosis sollte frühestens 24 Stunden und spätestens 2 Stunden vor dem ersten möglichen HIV-Risiko eingenommen werden.
- Schutz aufrechterhalten: Danach nimmst du täglich eine Tablette. Zwischen den Einnahmen sollten etwa 24 Stunden liegen. Eine Abweichung von bis zu 2 Stunden ist möglich.
- PrEP nach dem letzten HIV-Risiko weiternehmen: Bei einführendem und aufnehmendem Analverkehr sowie bei einführendem Vaginalverkehr oder Neovaginalverkehr nimmst du noch 2 Tage lang täglich eine Tablette. Bei aufnehmendem Vaginalverkehr oder Neovaginalverkehr sind es 7 weitere Tage. Die 7 Tage gelten auch, wenn du eine Dauer-PrEP zum Schutz bei intravenösem Drogenkonsum beendest.
Diese letzten Einnahmetage sind wichtig. So bleibt genug Wirkstoff im Körper, falls HIV bereits hineingelangt ist. Kommt es in dieser Zeit erneut zu einem HIV-Risiko, beginnen die 2 beziehungsweise 7 Tage von vorne.
Eine Dauer-PrEP kann sinnvoll sein, wenn HIV-Risiken regelmäßig bestehen oder Sexkontakte nicht gut geplant werden können oder sollen. Eine Kurz-PrEP kommt infrage, wenn sich mögliche HIV-Risiken auf kurze und gut planbare Zeiträume beschränken. Dadurch können Tabletten und Nebenwirkungen eingespart werden.
HIV-PrEP: Für wen sie infrage kommt
Die PrEP wird für Menschen ab 16 Jahren empfohlen, wenn ein erhöhtes HIV-Risiko besteht. Dazu zählen zum Beispiel:
- Männer, die Sex mit Männern haben, sowie trans Personen*, wenn sie in den vergangenen drei bis sechs Monaten Analsex ohne Kondom hatten oder dies in den kommenden Monaten erwarten.
- Männer, die Sex mit Männern haben, sowie trans Personen*, wenn sie innerhalb der vergangenen zwölf Monate eine Geschlechtskrankheit hatten.
- Partner*innen von Menschen mit HIV, wenn keine HIV-Therapie stattfindet, die Therapie nicht ausreichend wirkt oder die Zahl der HIV-Kopien noch nicht seit mindestens sechs Monaten unter 200 pro ml liegt.
- Menschen mit Sex ohne Kondom, wenn bei ihren Partner*innen eine nicht erkannte HIV-Infektion wahrscheinlich ist.
- Menschen, die Drogen spritzen, wenn dabei keine sterilen Spritzbestecke verwendet werden.
HIV-PrEP: Checks und Begleitung
Regelmäßige medizinische Kontrollen gehören zur PrEP dazu. Dabei wird unter anderem überprüft, ob du HIV-negativ bist, wie deine Nieren arbeiten und ob andere Geschlechtskrankheiten vorliegen.
HIV-Tests
Vor dem Start der PrEP und vier Wochen nach Beginn muss ein HIV-Test bestätigen, dass du HIV-negativ bist. Wird eine HIV-Infektion festgestellt, kann direkt eine HIV-Therapie begonnen werden.
Der Test ist besonders wichtig, weil die beiden PrEP-Wirkstoffe allein nicht für eine vollständige HIV-Therapie ausreichen. Bei einer bestehenden HIV-Infektion könnten sich sonst Resistenzen entwickeln.
Wenn du die PrEP länger einnimmst, gehören regelmäßige HIV-Tests dazu. Sechs Wochen nach dem Ende der PrEP folgt ein abschließender HIV-Test.
Hepatitis B
Vor dem PrEP-Start wird auch auf Hepatitis B getestet. Die PrEP-Wirkstoffe wirken ebenfalls gegen Hepatitis-B-Viren. Einnahmepausen können deshalb problematisch sein. Die Viren können resistent werden. Nach dem Absetzen der PrEP kann eine Hepatitis B außerdem wieder aufflammen.
Liegt keine Hepatitis B vor, sollte geprüft werden, ob ein ausreichender Impfschutz besteht.
Nierenfunktion
Vor Beginn der PrEP und während der Einnahme werden die Nierenwerte regelmäßig kontrolliert. Die PrEP kann die Leistungsfähigkeit der Nieren leicht verringern.
Bei normaler Nierenfunktion spricht nichts gegen eine PrEP. Bei stark eingeschränkter Nierenfunktion sollte keine PrEP begonnen werden. Das kann zum Beispiel bei Diabetes eine Rolle spielen.
Auch andere Medikamente oder Drogen können die Nieren zusätzlich belasten. Wie häufig deine Werte kontrolliert werden sollten, besprichst du mit Ärzt*innen.
Nach dem Absetzen der PrEP erreicht die Nierenfunktion in der Regel wieder das Niveau von vor der Einnahme. Wenn du Eiweiß- oder Kreatinpulver nutzt, solltest du das ebenfalls ansprechen. Diese Produkte können die Ergebnisse einer Nierenuntersuchung beeinflussen.
Tests auf Geschlechtskrankheiten
Menschen mit erhöhtem HIV-Risiko haben häufig auch ein erhöhtes Risiko für andere Infektionen. Die Leitlinien empfehlen deshalb regelmäßige Untersuchungen:
- Syphilis: alle drei Monate
- Gonorrhö: mindestens alle zwölf Monate
- Chlamydien: mindestens alle zwölf Monate
- Hepatitis C: alle sechs bis zwölf Monate
Die Deutsche Aidshilfe empfiehlt für Männer, die Sex mit Männern haben, sowie für Sexarbeiterinnen einen Syphilis-Test alle sechs Monate. Menschen mit intravenösem oder intranasalem Drogenkonsum sowie Menschen mit blutigen Sexpraktiken wie Fisten sollten sich regelmäßig auf Hepatitis C untersuchen lassen.
Welche Untersuchungen für dich sinnvoll sind und wie häufig sie stattfinden sollten, kannst du in einer Beratung oder mit Ärzt*innen klären.
Wo sind PrEP-Checks möglich?
Alle Untersuchungen können in einer ärztlichen Praxis durchgeführt werden. Dort erfolgen sie allerdings nicht anonym.
Viele Aidshilfen, Checkpoints und Gesundheitsämter bieten anonyme Tests auf HIV, Geschlechtskrankheiten und Hepatitis B an. Einige Checkpoints untersuchen auch die Nierenfunktion.
Bei einer PrEP auf Kassenrezept übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten für die PrEP-Checks. Bei einem Privatrezept musst du die Untersuchungen grundsätzlich selbst bezahlen. Die Nierenwerte kosten dabei etwa drei Euro. Die Preise für andere Tests können unterschiedlich sein.
Unter bestimmten Voraussetzungen können Krankenkassen Tests auf Geschlechtskrankheiten übernehmen. Das kann zum Beispiel bei einem konkreten Infektionsrisiko oder bei Beschwerden wie Brennen beim Wasserlassen, Jucken, Ausfluss oder Hautausschlägen der Fall sein.
HIV-PrEP: Nebenwirkungen
Die meisten Menschen vertragen die PrEP gut. Zu Beginn können vorübergehend Beschwerden auftreten. Dazu gehören:
- Übelkeit
- Durchfall
- Kopf-, Bauch- oder Gelenkschmerzen
- Müdigkeit
- Schlafstörungen
Meist verschwinden diese Beschwerden spätestens nach etwa einem Monat.
Die PrEP kann die Nierenleistung leicht verringern. Deshalb sind regelmäßige Kontrollen wichtig. Bei einer Nierenerkrankung sollte keine PrEP eingenommen werden. Nach dem Absetzen normalisiert sich die Nierenfunktion in der Regel wieder.
Auch die Knochendichte kann durch die PrEP leicht abnehmen. Das kann besonders für trans Frauen nach einer Orchiektomie sowie für cis Frauen nach der Menopause relevant sein. Sie sollten ihre Knochengesundheit mit Ärzt*innen besprechen.
HIV-PrEP: Wechselwirkungen
Wenn du die PrEP nimmst, solltest du Ärzt*innen über andere Medikamente, pflanzliche Mittel oder Drogen informieren. Wie andere Medikamente kann auch die PrEP Wechselwirkungen verursachen.
Dabei kann sich verändern, wie schnell Wirkstoffe aufgenommen oder abgebaut werden. Dadurch kann zu viel oder zu wenig eines Wirkstoffs im Körper vorhanden sein.
Grundsätzlich lässt sich die PrEP mit fast allen Medikamenten und Drogen kombinieren. Bei einigen Substanzen ist jedoch besondere Vorsicht nötig:
- Entzündungshemmer und Schmerzmittel können zusammen mit der PrEP die Nieren belasten.
- Bestimmte antivirale Medikamente, zum Beispiel gegen Hepatitis C, können die Nieren zusätzlich schädigen.
- Das Hepatitis-B-Medikament Adefovir sollte nicht zusammen mit der PrEP eingenommen werden.
Keine bekannten Wechselwirkungen bestehen mit hormonellen Verhütungsmitteln wie Pille, Ring oder Pflaster. Auch feminisierende Hormone, Hormonersatztherapie, Androgenblocker, Testosteron und anabole Steroide können zusammen mit der PrEP eingenommen werden.
Für Drogen einschließlich Ecstasy, Ketamin oder Mephedron sind keine Wechselwirkungen mit der PrEP bekannt oder zu erwarten. Auch Potenzmittel und Antibiotika können zusammen mit der PrEP eingenommen werden.


Häufige Fragen
Was ist HIV-PrEP?
Die HIV-PrEP ist eine sehr wirksame Methode zum Schutz vor HIV. Dabei werden Medikamente eingenommen, die verhindern, dass sich HIV im Körper vermehrt.
Für wen wird die PrEP empfohlen?
Die PrEP wird für Menschen ab 16 Jahren mit erhöhtem HIV-Risiko empfohlen. Dazu können zum Beispiel Männer, die Sex mit Männern haben, trans* Personen, Partner*innen von Menschen mit HIV oder Menschen gehören, die Drogen spritzen.
Welche Untersuchungen gehören zur PrEP?
Zur PrEP gehören regelmäßige HIV-Tests, Kontrollen der Nierenfunktion sowie Untersuchungen auf Geschlechtskrankheiten und Hepatitis C. Vor dem Start wird außerdem auf Hepatitis B getestet.
Wer übernimmt die Kosten für die PrEP?
Wenn die PrEP zum Schutz vor HIV infrage kommt, übernehmen gesetzliche Krankenkassen die Kosten für Medikamente und notwendige Untersuchungen. Private Krankenversicherungen haben eigene Regelungen. Auf Privatrezept müssen Medikamente und Untersuchungen selbst bezahlt werden.
Wie wird die HIV-PrEP eingenommen?
Die PrEP kann dauerhaft oder rund um mögliche HIV-Risiken eingenommen werden. Zum Start werden zwei Tabletten auf einmal genommen. Danach folgt täglich eine Tablette. Nach dem letzten HIV-Risiko nimmst du die PrEP weiter: 2 Tage bei einführendem und aufnehmendem Analverkehr sowie bei einführendem Vaginal- oder Neovaginalverkehr. 7 Tage sind es bei aufnehmendem Vaginal- oder Neovaginalverkehr. Die 7 Tage gelten auch beim Beenden einer Dauer-PrEP zum Schutz bei intravenösem Drogenkonsum.